Permakultur Prinzipien

Permakultur Prinzipien

Die 12 Permakultur Prinzipien von David Holmgren fassen die Permakultur Denkweise zusammen. Die Permakultur Prinzipien sind als Denkwerkzeuge zu verstehen, die uns bei der Identifikation, Gestaltung und bei der Weiterentwicklung von Systemen helfen sollen.

Prinzip 1: Beobachte und interagiere

Die Naturbeobachtung und das Staunen sollen im alten Griechenland zur Entstehung der Philosophie geführt haben. Die Stoiker sahen die Natur als göttlich und die Orientierung an der Natur bedeutete für sie die Orientierung an der ewigen göttlichen Vernunft. Die Natur als Ganzes ist tatsächlich ein System, das an Nachhaltigkeit und Effizienz unübertroffen ist. Deshalb ist die Beobachtung und die Interaktion mit der Natur das erste der Permakultur Prinzipien.

Plane so effizient wie die Natur

Die heutige industrielle Gesellschaft hängt zu einem großen Teil von dem Einsatz fossiler Energie ab. Die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln und anderen Waren ist energetisch gesehen sehr ineffizient. Die Permakultur Bewegung beobachtet die Interaktion von Elementen in natürlichen Systemen, um neue effiziente und nachhaltige Wege zu finden. Ziel ist dabei die Einrichtung von Systemen, die sich selbst regulieren und erhalten, und dabei trotzdem die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen.

Sammle Daten und lerne deine Umgebung kennen

Zu Beginn einer jeden Permakultur Design Planung wird ein Ort wenn möglich in allen Jahreszeiten beobachtet und es werden so viele Daten wie möglich gesammelt. Wichtig ist dabei auch, dass nicht nur die einzelnen Bestandteile eines Systems beobachtet werden. Es werden immer auch die Beziehungen von einem Element zum restlichen System in die Beobachtungen einbezogen.

Prinzip 2: Sammle und speichere Energie

Unsere kapitalistisch geprägte Welt zielt vor allem auf kurzfristige Gewinnmaximierung. Langfristig gesehen erreichen wir durch diese Denkweise aber den Entzug von unserer eigenen Lebensgrundlage. Im Gegensatz dazu versucht das permakulturelle Denken die verschiedenen Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen und langfristig zu erhalten.

Spare & investiere langfristig

In den fossilen Brennstoffen ist Energie gespeichert, die über Tausende Jahre gesammelt wurde. Wir verbrauchen diese Energie in einer vergleichsweise extrem kurzen Zeitspanne, um die Ernte der erneuerbaren Ressourcen auf der Erde auf ein nicht nachhaltiges Level zu erhöhen. Die negativen Auswirkungen dieser Vorgehensweise sind heute bereits deutlich sichtbar.

Permakultur Design versucht die zur Verfügung stehenden Energiequellen zu sparen und zu investieren, damit auch unsere Kinder diese Ressourcen zur Verfügung haben werden.

Beispiele für erneuerbare Energiequellen

  • Sonnenenergie, Wind und Wasserkraft
  • fruchtbare Böden
  • mehrjährige Pflanzen, die Lebensmittel und andere Ressourcen erzeugen
  • Gewässer und Speichertanks
  • Passivhäuser

Dieses Prinzip leitet uns also zu einer langfristigen Investition von unserem vorhandenen Reichtum in Naturkapital an. Anstatt unser Geld auf dem Bankkonto zu lassen, investieren wir es in Systeme, die uns langfristig mit den Dingen versorgen, die wir für ein gutes Leben brauchen.

Prinzip 3: Erwirtschafte einen Ertrag

Wenn wir unser gesamtes Kapital in einen Wald investieren, der erst für unsere Enkel einen Ertrag erwirtschaften wird und deswegen jetzt nicht genug zu essen haben, dann macht das wenig Sinn. Wir müssen auch eine Basis schaffen, die uns möglichst schon zu Beginn des Projektes mit den nötigen Ressourcen versorgt.

Das Nützlichere setzt sich durch

Wenn ein System keinen sofortigen brauchbaren Ertrag erwirtschaftet, wird es eher dazu neigen zu verkümmern, als wenn es eine sofortige Rendite generiert. Elemente, die schon zu Beginn wirklich brauchbare Ressourcen liefern, werden sich eher gegenüber Alternativen durchsetzen und gesünder wachsen. Diese Annahme basiert auf dem Prinzip der maximalen Kraft von Alfred Lotka.

Rendite fördert die Entwicklung

Außerdem fördert ein Ertrag, Gewinn oder ein Einkommen die Motivation aller Beteiligten und fördert damit die Wiederholung des Systems, das den Ertrag erwirtschaftet hat. In der Systemtheorie wird in diesem Zusammenhang von Belohnungen oder von positiven Feedback-Schleifen gesprochen. Diese verstärken den ursprünglichen Prozess und fördern sein Wachstum.

Von Anfang an Belohnungen anzuvisieren, bedeutet also einen Fokus auf die Katalysatoren, die Erfolg, Wachstum und Nachahmung von bewährten Lösungen fördern.

Prinzip 4: Wende Selbstregulierung an und lerne aus dem Feedback

Beim vierten der Permakultur Prinzipien geht es um jene Aspekte der Selbstregulierung, die ein unerwünschtes Wachstum oder Verhalten des Systems limitieren. Wenn wir die positiven und negativen Rückkoppelungen in einem System besser verstehen, können wir selbstregulierende Systeme erzeugen, die weniger intensive Korrekturmaßnahmen benötigen. Im Permakultur Design wird versucht, die Rückkoppelungen, die unangemessenes Wachstum oder Verhalten fördern, möglichst gering zu halten.

Positives Feedback beschleunigt die Entwicklung

Diese Rückkoppelungen oder auch das Feedback ist ein Begriff aus der Systemtheorie. Belohnungen, wie im Prinzip 3 beschrieben, können sich als Beschleuniger für die Entwicklung auswirken. Dies wäre ein Beispiel für positives Feedback. Auf der anderen Seite ist aber auch negatives Feedback nötig, das sich als Bremse auswirkt, um das System von Überanspruchung oder dem Missbrauch von Energie abzuhalten.

Autonome & selbstregulierende Systeme sind das Ideal

Sich selbst instand setzende und regelnde Systeme sind ein Ideal der Permakultur, das zwar angestrebt wird, aber vielleicht nie vollständig realisiert werden kann. Am Größten wirkt sich vielleicht die Anwendung der Integrations- und Vielfaltsgestaltungsprinzipien (Prinzip 8 und 10) auf die Erreichung dieses Ideals aus. Aber auch das 12 Prinzip fördert die Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen. Es leitet dazu an, alle Elemente so selbständig und energieeffizient wie möglich aufzubauen. Beispielsweise ist die Verwendung von starken, halbwilden und sich selbst reproduzierenden Pflanzensorten und Nutztierrassen eine klassische Permakulturstrategie.

Prinzip 5: Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen

Nachwachsende Rohstoffe sind wie eine passive Einkommensquelle. Wir können ohne Probleme langfristig über sie verfügen, solange wir nicht die Quelle vergiften. Wenn wir nicht erneuerbare Ressourcen verwenden, dann heben wir allerdings Geld von einem Konto ab, das eines Tages leer sein wird. Wenn wir unseren täglichen Konsum von diesem Konto abhängig machen und unseren gesamten Lebensstil darauf aufbauen, dann werden wir eines Tages ein großes Problem haben. So betrachtet benimmt sich die heutige Menschheit wie ein Kind von reichen Eltern, das die gesamten Ersparnisse der vorherigen Generationen aufbraucht. Es wird Zeit das wir erwachsen werden und von den Ressourcen leben, für deren Erhaltung wir auch selbst gesorgt haben.

Passive Leistungen können genutzt werden, ohne den Wirt zu verbrauchen

Das Holz eines Baumes wäre ein Beispiel für eine erneuerbare Ressource. Ein lebender Baum stellt uns außerdem Schatten und Schutz als Leistung zur Verfügung. Da wir den Baum durch den Nutzen dieser Leistungen nicht verbrauchen, wäre dies ein Beispiel für eine erneuerbare Leistung. In der Permakultur spielen diese passiven Funktionen (erneuerbare Leistungen) eine bedeutende Rolle. Pflanzen, Tiere, lebendiger Boden und Wasser stellen eine Vielzahl von erneuerbaren Leistungen zur Verfügung, die wir nutzen können, ohne den Wirt dabei zu verbrauchen und ohne Energie für eine Ernte aufwenden zu müssen.

Nütze die Funktionen von Elementen intelligent

Das Pflügen von einem Acker mit einem Traktor verbraucht Erdöl, eine nicht erneuerbare Ressource. Außerdem fällt hier ein hoher Arbeitsaufwand an, was wenig effizient ist. Im Permakultur Design Prozess stellt man sich nun die Frage, welche Pflanzen oder Tiere in der Natur dieselbe Aufgabe übernehmen. Hühner und Schweine bereiten den Boden beispielsweise hervorragend für die Bepflanzung vor. Wenn die erneuerbaren Leistungen dieser Tiere für die Aufbereitung des Bodens genützt werden, fällt lediglich der Arbeitsaufwand für den Wechsel der Umzäunung an und man spart sich den Einsatz von Traktor, Bodenfräsen und Pestiziden.

Prinzip 6: Produziere keinen Abfall

Abfall ist laut Bill Mollison ein Output von einer Systemkomponente, der nicht produktiv von einer Komponente eines anderen Systems genutzt wird. Das Prinzip „Produziere keinen Abfall“ leitet uns dazu an, Wege zu suchen, die zu einer Minimierung von Umweltverschmutzung und der Erzeugung von Abfällen führen. Permakultur Design versucht immer, alle Outputs eines Systems produktiv zu nutzen.

Nutze die Wellen des Überflusses

Wenn ein Garten von zu vielen Schnecken bedroht wird, bedeutet dies einen Mangel von Enten, die sich von diesen Schnecken ernähren. In einigen Regionen können zu viel Gras und Bäume zu einer Zerstörung durch Buschfeuer führen. Hier können Weidetiere genützt werden, um die Ausbreitung von Gras und Bäumen in einem sinnvollen Rahmen zu halten. Zu viele Pflanzenfresser können auf der anderen Seite aber auch zu Überweidung führen. Im Permakultur Design Prozess werden immer kreative und innovative Wege gesucht, um die Wellen des Überflusses effizient zu nutzen.

Nutze Abfälle als Ressourcen

In natürlichen Systemen dienen die Abfälle von allen Elementen immer als Ressourcen für andere Elemente. Beispielsweise ernährt sich ein Regenwurm von Pflanzenresten und wandelt diese in Humus um. Der Humus liefert dann wiederum Nährstoffe für die Pflanzen. Permakultur Design versucht ebenfalls, alle Abfälle als wertvolle Ressourcen zu nützen.

Langfristig gesehen ist das Input/Output Modell der industriellen Welt sehr unrentabel

In der industriellen Welt werden natürliche Materialien mit Energie in Produkte und Dienstleistungen umgewandelt. Langfristig gesehen werden aus den Produkten allerdings Abfälle, die in Deponien mit hohem Energieaufwand entsorgt werden müssen. Auch durch die Verbrennung von Erdöl fallen viele Schadstoffe an, die nicht genützt werden können und sogar auch noch zu einer Vergiftung der Umwelt führen und den Klimawandel verstärken. Auf lange Sicht wird der Klimawandel erhebliche Kosten verursachen, was die Nutzung von Erdöl als Energiequelle so gesehen viel weniger rentabel macht.

Prinzip 7: Gestalte zuerst Muster und dann Details

Die ersten sechs Permakultur Prinzipien tendieren zu einer Perspektive, die zuerst die Elemente betrachtet und dann die Organismen und Personen, die sich aus den Elementen zusammensetzen. Die Nächsten sechs Permakultur Prinzipien betrachten die Systeme von einer höheren Perspektive und befassen sich mit den allgemeinen Mustern und Beziehungen, die sichtbar werden, wenn man seinen Blick auf das gesamte System richtet.

Das siebte der Permakultur Prinzipien leitet uns dazu an, eine ganzheitliche Perspektive einzunehmen. Anstatt sich nur auf die einzelnen Details eines Bildes zu fokussieren, versucht ein Permakultur Designer das ganze Bild zu betrachten.

Das Erkennen von Mustern ermöglicht ganzheitliches Verständnis

Beispielsweise lässt sich in einem Spinnennetz ein klares Muster erkennen, doch die Details des Spinnennetzes variieren ständig. Das Erkennen von Mustern ist eine notwendige Vorstufe des Permakultur Design Prozesses. Wenn wir die Muster von Systemen erkennen, verstehen wir damit auch den höheren Aufbau des Systems und wir können dieselben Muster in einem anderen Kontext für andere Systeme verwenden. Muster erlauben uns eine Ordnung von dem Durcheinander der Gestaltungsmöglichkeiten und Optionen.

Muster zu finden ist wichtiger als das Verständnis von allen Details

Wenn wir uns zu sehr auf die Komplexität der Details fokussieren, laufen wir Gefahr, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Dies kann zu einer Planung von Großprojekten führen, die zwar beeindruckend aussehen, aber nicht funktionieren. Komplexe Systeme, die sich selbst regulieren und dauerhaft funktionieren, bestehen meistens aus funktionierenden einfachen Systemen. Deshalb ist das Finden eines richtigen Musters für ein Design viel wichtiger als das Verständnis von allen Details der Elemente des Systems.

Zonen- und Sektorenplanung

Im Permakultur Design Prozess wird dieses Prinzip unter anderem bei der Zonen- und Sektorenplanung angewandt. Beispielsweise werden Nutzungsintensitätszonen (Zonen in denen viel Arbeitsaufwand anfällt) im Umfeld eines Aktivitätszentrums (z.B. Bauernhaus) angeordnet.

Die Festlegung solcher Zonen vereinfacht die Platzierung von Elementen und Teilsystemen. In ähnlicher Weise können Sektoren aufgrund von Sonneneinstrahlung, Wind, Flut und Feuergefahr festgelegt werden. Der Permakultur Designer behält die Charaktere dieser Sektoren im Hinterkopf, was ihm dann beim Verständnis des Grundstücks und bei der Organisation von Design Elementen eines funktionierenden Systems hilft.

Prinzip 8: Integrieren statt ausgrenzen

Aus der Systemtheorie wissen wir, dass ein System mehr ist, als die Summe aller Teile. Denn die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen den Teilen machen das System erst zu dem, was es ist. Wenn ein System in Teile zerlegt wird und wenn diese Teilsysteme unabhängig voneinander untersucht werden, dann werden die Beziehungen zwischen den Elementen nicht in die Untersuchung einbezogen, was zu einer völligen Verzerrung des Ergebnisses führen kann.

Verbindungen zwischen Elementen sind so wichtig, wie die Elemente selbst

Bei der internen Funktionsweise von Organismen bis hin zu ganzen Ökosystemen spielen die Verbindungen zwischen den Elementen eine ebenso wichtige Rolle, wie die einzelnen Elemente selbst. Deshalb versucht der Permakultur Designer die Elemente eines Systems so anzuordnen, dass jedes den Anforderungen der anderen Elemente dient und die Produkte der Anderen aufnehmen kann.

Komplexe Beziehungen stärken das Ganze

In der industriellen Landwirtschaft werden Elemente abgetrennt, beispielsweise in einer Monokultur. Durch die Verringerung von der Komplexität der Beziehungen wird ein System allerdings auch automatisch instabil und angreifbarer. Viele Beziehungen zwischen Elementen, die sich gegenseitig unterstützen, bringen viele Vorteile und sind notwendig für eine effiziente Selbstregulierung. Deshalb versucht die Permakultur Systeme zu erschaffen, die eng miteinander verzahnt sind.

Sinnvolle Platzierung stärkt Selbstregulierung

Durch eine sinnvolle Platzierung von Pflanzen, Tieren, Erdarbeiten und sonstiger Infrastruktur, kann ein höheres Maß an Integration und Selbstregulierung erreicht werden, was die notwendigen Korrekturmaßnahmen minimiert. Beispielsweise tragen Wildkräuter in Nutztierweiden zur Bodenverbesserung, Artenvielfalt und pflanzlicher Heilung bei. Vieh auf Rotationsweiden kann diese Unkräuter kontrollieren, ohne sie komplett zu beseitigen.

Für ein Bewusstsein von Beziehungen in der Gestaltung von selbstregulierenden Systemen spielen die folgenden Aussagen aus der Permakultur Literatur eine zentrale Rolle:

  • Jedes Element erfüllt viele Funktionen
  • Jede wichtige Funktion wird von vielen Elementen unterstützt

Prinzip 9: Nutze kleine & langsame Lösungen

Dieses Prinzip widerspricht der Idee von „Größer ist besser“, an der sich die heutige Wirtschaft oft orientiert. Permakultur Systeme versuchen immer im kleinsten, praktisch sinnvollen und energieeffizientesten Maßstab ihre Funktion zu erfüllen.

Kleine und langsame Lösungen sind effizienter

Billige Energie subventioniert die Nutzung von Großanlagen und weiten Handelswegen. Dies führt aber auch zu einer Zerstörung von Gemeinschaft und zu einem erhöhten Energiebedarf. Kleine und langsame Lösungen sind tatsächlich effizienter und nachhaltiger als schnelle und große. Ein bekannter Vertreter dieser Erkenntnis ist der britische Ökonom Ernst Friedrich Schumacher. Er veröffentlichte 1973 das Buch „Die Rückkehr zum menschlichen Maß. Alternativen für Wirtschaft und Technik“ mit einer Sammlung von Essays über dieses Prinzip.

Schnelllebige Prozesse sind destruktiv

Viele praktische Beispiele sprechen gegen die Nutzung von schnelllebigen Prozessen. Schnell wachsende Bäume sind oft kurzlebig. Andere Arten wachsen zwar langsamer, dafür sind sie wertvoller und nach 20 bis 30 Jahren wachsen sie dann wegen ihrer Größe sogar schneller als die kurzlebigen. Schnell wachsendes Vieh, das mit konzentrierten Nährstoffen gefüttert wird, ist oft krankheitsanfälliger und hat eine geringere Lebenserwartung.

Auch hochgezüchtete Pflanzen sind weniger schädlingsresistent und brauchen deshalb mehr Pflege. In Großstädten scheinen Autos bequem und schnell zu sein. In der Praxis behindern sie aber die Mobilität und senken die Lebensqualität. Kleinere und langsamere Fahrräder ermöglichen eine freiere und energieeffizientere Bewegung, ohne dass sie Lärm und Verschmutzung verursachen.

Prinzip 10: Nutze & schätze die Vielfalt

Die systemische Komplexität in der Natur wird durch die enorme Vielfalt von Formen, Funktionen und durch die Wechselwirkungen zwischen den Elementen erreicht. Ein Permakultur Designer muss eine Balance zwischen Verschiedenheit einerseits und der Produktivität und Leistung andererseits finden.

Vielfalt stärkt das System

Monokulturen sind anfällig für Schädlings-und Krankheitsbefall und deshalb die Hauptursache für den Einsatz von Pestiziden und der uneffizienten Nutzung von Energie. In Polykulturen wird durch den Anbau von verschiedenen Pflanzen die Vielfalt gefördert, um Schädlingsanfälligkeit, ungünstige Jahreszeiten und Marktschwankungen zu reduzieren. Dadurch wird auch die Abhängigkeit von Märkten reduziert und die Haushaltsautarkie gestärkt.

Unterschiedliche Elemente stützen sich gegenseitig

Das Prinzip der Vielfalt wird natürlich nicht nur bei der Polykultur angewendet. Es gilt für Arten und Populationen und auch für die menschliche Gesellschaft. Die Erhaltung von verschiedenen Kulturen und Sprachen ist genauso wichtig, wie die Erhaltung der biologischen Vielfalt.

Die Permakultur will allerdings nicht nur die bereits existierende Vielfalt erhalten, sondern auch aus dem Schmelztiegel der Natur und der ererbten Kultur eine neue Vielfalt erzeugen. Viele unterschiedliche Elemente unterstützen, stärken und inspirieren sich gegenseitig.

Prinzip 11: Nutze Randzonen und schätze das Marginale

Eine Flussmündung ist ein Beispiel für eine Randzone. Sie dient als eine komplexe Schnittstelle zwischen Land und Meer. Das seichte Wasser ermöglicht eine Durchflutung mit Sonnenlicht, was Algen- und Pflanzenwachstum fördert. Gleichzeitig ist das seichte Wasser ein Futterplatz für Vögel. Auch die lebendige Erde mit ihren Mikroorganismen ist eine Randzone. Für jegliches Leben, einschließlich der Menschheit, ist es sogar die wichtigste Randzone von allen.

Randzonen sind kein Problem, sondern eine Chance

An Randzonen passieren immer die interessantesten Dinge. Doch oft sehen wir sie nicht, weil wir unseren Fokus auf andere Aspekte legen. Die Agrarwirtschaft fokussiert sich in der Regel eher auf Nutzpflanzen und auf klar artikulierte Ziele. Dies kann zu einer Abwertung von Randflächen und zu der Zerstörung von Wildpflanzen führen. Auch die weniger sichtbaren Bedürfnisse von Frauen, Benachteiligten und Landlosen können durch einen solchen Fokus übersehen werden. Die Wirtschaft konzentriert sich eher auf das Großkapital und auf blühende Städte. Die größten Innovationen entstehen allerdings in kleinen Unternehmen und in kleineren, weniger wohlhabenden Orten und Systemen.

Der Ausbau von Randzonen erhöht die Produktivität

Ein Ausbau von den marginalen und unsichtbaren Aspekten eines Systems kann die Produktivität und Stabilität eines Systems erhöhen. Wenn das Ufer zwischen Land und Teich vergrössert wird, werden beide Systeme produktiver. Auch beim Alley Cropping wird durch die Ausdehnung der Randzone zwischen Feld und Wald die Produktivität erhöht, indem die Pflanzung von Baumreihen mit Getreideanbau verbunden wird.

Prinzip 12: Nutze & reagiere kreativ auf Veränderung

Veränderung können große Chancen sein, wenn sie auf eine bewusste und kooperative Art und Weise genutzt werden. Dies gilt auch für große Änderungen, welche außerhalb unserer Kontrolle liegen. Das letzte der Permakultur Design Prinzipien leitet uns dazu an, mit den Veränderungen zu gehen, anstatt diese mit einem hohen Energieaufwand zu bekämpfen. Permakultur Design versucht sogar eine Basis zu schaffen, die eine kreative Form von Entwicklung und Veränderung unterstützt und begünstigt.

Wasser ist stärker als Stein

Kurzfristig scheint ein Stein stärker zu sein, als das Wasser. Auf lange Sicht setzt sich aber das Wasser durch und bahnt sich seinen Weg durch steinigen Untergrund. Die Taoisten versuchen mit diesem Beispiel zu erklären, dass es sinnvoller und effizienter ist, wenn man sich an seine Umgebung anpasst, anstatt mit direkter Gewalt auf ein Hindernis zu reagieren. Dieses Prinzip wird beispielsweise auch bei asiatischen Kampfsportarten angewendet. Anstatt den Schlag eines Gegners direkt abzuwehren, wird die Kraft des Gegners gegen ihn genutzt.

Nur flexible System können dauerhaft überleben

Die Permakultur Prinzipien zielen auf die Dauerhaftigkeit von natürlichen, lebendigen Systemen. Und dauerhaft sind nur jene Systeme, die flexibel und intelligent auf Veränderung reagieren können. Wenn die Umweltbedingungen sich verändern, können nur jene Lebewesen überleben, die sich an die neuen Bedingungen anpassen können.

 

Diese Zusammenfassung basiert auf dem Buch “Permaculture: Principles & Pathways Beyond Sustainability” von David Holmgren. Die deutsche Übersetzung wird vorraussichtlich im November 2014 erscheinen.